Suche
  • Gwenn Hiller

Blog-Beitrag: Selbstfürsorge im Home-Office

Aktualisiert: Jan 11


Self-Care im Home-Office (Dezember 2020)


Gundula Gwenn Hiller


Lesen Sie im Folgenden, warum es zur Zeit besonders wichtig ist, im Home-Office achtsam mit sich selbst zu sein und gut für sich zu sorgen!


Seit Monaten arbeite ich ausschliesslich im Home-Office. Mein Arbeitsalltag besteht aus Telefonaten, Video-Calls, Online-Lehre, E-Mails und Kurznachrichten. Mein Mann sitzt nebenan, auch Home-Office. Manchmal vergessen wir die Zeit und arbeiten bis spät in den Abend hinein. Ich merke, wenn ich nicht achtsam bin, habe ich weniger Freizeit, weniger Qualitytime mit mir selbst und mit meinem Partner. Geht es Ihnen auch so, dass sich gerade Berufliches und Privates immer mehr vermischt und sich vielleicht auch der Feierabend immer weiter nach hinten verschiebt?


Normalerweise war Feierabend angesagt, wenn mein Mann, oder aber ich nach Hause kamen. Und nun fehlt diese natürliche Grenzziehung. Größere Video-Calls mit den KollegInnen werden immer öfters auf 19 Uhr angesetzt, weil dann alle ‚können’. Tagsüber ist man ja mit den vielen anderen Calls, oder der Kinderbetreuung beschäftigt...neulich habe ich einen dieser vielen witzigen Clips gesehen, die zur Zeit (Corona-Krise) herumgeschickt werden: Ein Italiener suchte in seinem Kalender verzweifelt nach einem freien Termin für den nächsten Video-Call, weil er so verplant war mit Skype-Calls, virtuellen Yoga- und sonstigen Sport-, Kultur- und Fortbildungsangeboten, - mehr als im ‚echten’ Alltag. Ich lachte und fühle mich ertappt.


Ich habe viel Home-Office-Erfahrung. Aber noch nie war ich in der Situation, dass ich ausschließlich im Home-Office gearbeitet habe, ohne weitere soziale Kontakte im Außen. Und außer im Urlaub verbringe ich nie so viel Zeit mit meinem Mann, und ganz neu dabei ist: er ist im Moment so gut wie mein einziger greifbarer Sozialkontakt. Auch das bringt neue Herausforderungen mit sich. Und diese Herausforderungen ist für viele Familien in meinem Umfeld noch viel größer, denn hier muss auch noch die Kinderbetreuung mit der Arbeit (und dem/r PartnerIn unter einen Hut gebracht werden. Eine durch Online-Kurse gut verdienende und beruflich sehr eingespannte Freundin erzählte neulich, dass sie sich schlecht konzentrieren könne auf ihre Arbeit, seit der Mann auch im Home-Office sei! Warum? Weil sie das Arbeitszimmer an ihn abgetreten hatte und nun im offenen Wohn-, Ess- und Küchenbereich arbeiten müsse, wo die Kinder auch spielen. Ja, geht’s noch? Da muss das Beziehungsmanagement eindeutig optimiert werden!


Als Achtsamkeitstrainerin bin ich geschult, und doch merke ich: Zur Zeit muss ich besonders achtsam sein und es ist gerade wirklich wichtig, gut für mich zu sorgen! Es bedarf gerade eines sehr guten Selbstmanagements, gepaart mit Selbstfürsorge. Und wenn Sie Menschen um sich herum haben, dann hat Ihr Arbeitsalltag auch neue Anforderungen in puncto Beziehungsmanagement! Ich möchte mit ihnen ein paar Tipps teilen, die mir in diesen herausfordernden Tagen wirklich helfen, in meiner Mitte zu bleiben:


Selbstfürsorge


‚Selbstfürsorge’ steht für die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse zu berücksichtigen, Belastungen einzuschätzen, sich nicht zu überfordern, gut mit sich umzugehen und sich zu schützen. In der Anwendung erfordert Selbstfürsorge Achtsamkeit in Bezug auf die eigenen Bedürfnisse und Kraftquellen.Dabei geht es sowohl um körperliche Fürsorge als auch um gesundheitsfördernde mentaler Techniken und Emotionsregulierung, also um Ernährung, Bewegung, Entspannung, Genießen, Positiv denken, Auf die eigenen Grenzen achten und Stressmanagement. Ich möchte Sie hier also dazu einladen, in Zeiten der Corona-Krise, in der neue Belastungen und Stressfaktoren auftauchen, die wir teilweise bislang nicht kannten, darauf zu achten, dass Sie sich um Ihr körperliches, geistiges und emotionales Wohl kümmern. Das reicht von gesunder Ernährung über gute Tagesstrukturierung und körperlichem Ausgleich bis hin zum Schaffen von (Zeit-)-Räumen für sich und die Pflege des ‚Selbsts’.


Selbst- und Zeitmanagement


Wichtig dafür ist ein achtsamer und kluger Umgang mit der Zeit: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe das Gefühl, viel mehr Zeit als früher durch Telefonate und Videokonferenzen zu verlieren, und gar nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit zu kommen. Die Konferenzen liegen dann auch oft dicht hintereinander und ich habe zwischenrein keine Pause. Heute hörten wir zu vierzigst einer Kollegin zu, die sicherlich 10 Minuten über Ihre Probleme und gescheiterten Lösungsversuche sprach, Skype For Business auf ihrem PC zu nutzen. 40 hochbezahlte Kräfte!!!! Macht 400 Minuten! Hier sollte man sich die Frage stellen, ob man jetzt bei jeder Konferenz wirklich dabei sein muss, und auch mit den KollegInnen abklären, ob bei jedem Thema -zig Personen mithören müssen? Dazu gehört dann auch der Mut, sich bei dem ein oder anderen Gespräch auszuklinken oder um Knappheit zu bitten.

Wir sind nun im Home-Office auch ständig erreichbar, bei Skype oder Teams sieht man, wer gerade online ist, was einlädt, die Person kurz anzufunken – Fakt ist aber, dass jede Unterbrechung einer Aufgabe Ihre Leistung verringert! Studien zeigen, dass Sie erst nach einer gewissen Aufwärmphase dort weitermachen können, wo Sie eben unterbrochen wurden. In der Fachliteratur wird das auch ‚Leistungsfresser’ genannt. Dazu gehören natürlich ganz besonders immer griffbereite Smartphones, auf denen die Arbeits-E-Mails, abrufbar sind (auch beim Essen, vor dem Schlafen)... ExpertInnen verweisen darauf, dass es für den Gebrauch mobiler Endgeräte klare Regeln geben muss, dafür gibt es folgende Empfehlungen:

1. Definieren Sie für sich oder in Absprache mit Ihrem Arbeitgeber bzw. KollegInnen, von wann bis wann Sie telefonisch bzw. für Text Nachrichten erreichbar sind

2. Vermeiden Sie es, außerhalb dieser Zeiten, die Nachrichten zu checken

3. Definieren Sie Lebens- oder Wohnbereiche, in denen das Smartphone tabu ist (z.B. Schlafzimmer, beim Essen etc.)

4. Rufen Sie Nachrichten nicht dauernd, sondern in bestimmten Abständen ab.

Zu den Leistungsfressern gehören neben den Unterbrechungen durch multimediale Kommunikation auch eine ganze Reihe an Aspekten, hier seien nur die für Home Office besonders anfälligen genannt:


· unstrukturierte Tagesplanung

· überhäufter Schreibtisch

· unübersichtliche Ablagesysteme

· Ablenkungen durch andere (Partner, Kinder, Haustiere)

· Geringe Selbstmotivation

· Zu wenig Absprachen


Hier gilt es, achtsam zu sein und solche Leistungsfresser zu reduzieren. Vielleicht Schritt für Schritt, damit es nicht zu viel auf einmal wird? Was nehmen sie sich für die nächsten Tage vor?


Beziehungsmanagement

Für den Fall, dass sie während Ihrer Home Officezeit andere Menschen um sich herum haben, ist ein Beziehungsmanagement vonnöten, bei dem es gilt, den Alltag strukturieren und Verantwortlichkeiten zu klären. Gerade während des Home-Offices ist es hier sehr wichtig, Klarheit über die Regeln und Zuständigkeiten zu schaffen! D.h., folgende Punkte sollten fair ausgehandelt werden:

· wer arbeitet wo?

· wer ist wann für welche Dinge der Alltagsorganisation zuständig? (einkaufen, kochen, Kinderbetreuung etc.)

· wann sind Arbeitszeiten, wann Freizeit?


Noch ein letztes Wort zum Thema Zeitmanagement. Je nach Typus neigen wir auch jetzt im Home Office besonders dazu, uns zu überlasten. Eine Studie unter 140 freien Journalisten brachte Ende der 90er Jahre ans Tageslicht, dass es unterschiedliche Muster gibt, mit Zeit umzugehen, wobei diese sich bei Männern und Frauen deutlich unterschieden haben: rigide Zeitstrukturen (‚Kontrolleure’) und ganz spontane Lebensführung (‚Vertrauensvolle’) klappte gut bei Männern, die häusliche Aufgaben delegieren konnten und finanziell abgesichert waren, während der Großteil der Frauen als ‚Disziplinierte’ entweder versuchte, einen bestimmte Rhythmus bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit einzuhalten (in Balance mit den häuslichen Pflichten) oder als ‚Jongleurinnen’ versuchen, alles unter einen Hut zu bringen, dabei aber oft zu kurz kommen. Was denken Sie, welcher Typus sind Sie? Sie können ja einmal reflektieren, ob Sie einem der hier formulierten Muster entsprechen (egal, welchen Geschlechts Sie sind), und prüfen, ob Sie in der häuslichen Aufgabenverteilung eine faire Regelung gefunden haben?


Zu guter Letzt möchte ich Ihnen folgendes raten: Planen Sie sich ‚stille Stunden’ für sich ein, in denen Sie wichtige, anspruchsvolle oder hohen Nutzen bringende Aufgaben angehen!




54 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen